Jetzt seh ich dich dort stehen. Du wirkst fremd. Hatten deine Augen schon immer so eine trübe undurchsichtige Farbe? Wo ist das schelmische, verspielte Glitzern hin? Ich möchte dir so viel erzählen, so viel sagen, doch mein Kopf kapituliert. Ich bringe kein Wort heraus. Gäbe es etwas, das Du mir sagen wolltest, ich wüsste es. Ich würde es in deinen einst so vertrauten Gesichtszügen lesen können. Wir wussten doch immer was der Andere gerade denkt, erinnerst du dich? Wäre da irgendetwas gewesen, ich hätte es gesehen. Doch da war nichts. Die Wärme die du ausgestrahlt hast, ist einem eisernen Blick gewichen, mit dem du jetzt geradewegs durch mich hindurchsiehst, fast so, als wäre ich gar nicht da. Dieser Blick verleiht mir eine Gänsehaut am ganzen Körper und mir wird schlecht. All die Jahre, all diese Zeit, die wir uns nun schon kennen und jetzt hast du nichts, rein gar nichts mehr zu sagen. Ich möchte dir ins Gesicht spucken, rufen:
'Rede! Los, sag doch was! Denkst du nicht dass du mir eine Erklärung schuldig bist? Nach all der Zeit?!' Doch ich bleibe stumm. Stumm wie der Raum in dem wir so verloren stehen. Stumm wie das Radio mit dem ich nach dir geworfen habe, als Du gesagt hast du willst nicht mehr. Stumm wie mein Verstand. Stumm wie Du. Wie kann es sein, dass sich zwei wie wir, sich nichts mehr mitzuteilen haben, sich gegenüberstehen als hätten sie einander noch nie zuvor gesehen? In meiner Hand, die tief in meine Jackentasche gegraben ist, spüre ich unser Bild. Ich habe vergessen es nach unserem letzten Ausflug rauszunehmen und zu all den anderen schönen Erinnerungen über mein Bett zu hängen. Jetzt halte ich es fest und der scharfe Rand schneidet in meine Finger. Es tut weh, doch es ist nicht vergleichbar mit dem Schmerz dem ich jetzt ausgeliefert bin, jetzt wo du dich langsam wegdrehst und ohne nocheinmal zurückzublicken aus meinem Leben spazierst..